RACE REPORT | Mozart100 by UTMB

Die 75 KM mit gut 3.500 HM vom Mozart100 sind nun über zwei Wochen her.

Ich hatte also einige Zeit zu reflektieren, zu regenerieren und mir Gedanken darüber zu machen ob denn die Ultra-Distanzen was für mich sind.

Nun ja, was soll ich sagen: ich bin sowas von motiviert und ready für die „Langen Dinger“.

Aber nun zum Rennen:

Die Vorzeichen waren gut: ich hatte gut trainiert, mich gut ernährt und war mental schon vier Tage vorher absolut fokussiert. Ich bin auch alle möglichen Szenarien gedanklich durchgegangen:

  • Ein Finish zur PrimeTime mit super Wetter in Salzburg und die Family wartet im Ziel.

  • Ein Finish im Regen mitten in der Nacht und es interessiert eigentlich keinen, wenn man ankommt.

  • Ein DNF (Did Not Finish). Auch das kann immer ein mögliches Ende sein.

Regen konnte ich bei diesen Wetterbedingungen schon mal ausschließen, denn es hatte tagsüber 35 Grad und die Sonne knallte nur so runter. Vor dieser Hitze hatte ich am meisten Respekt. Mein Ziel war es im Ziel anzukommen - egal wie und egal zu welcher Uhrzeit. Dementsprechend war meine Rennstrategie auf Kontinuität und perfekte Verpflegung ausgelegt um mit der langen Distanz, den vielen Höhenmetern und vor allem der Hitze irgendwie klarzukommen.

Start war um 7 Uhr in Fuschl am See. Dort ging es mit dem Shuttle-Bus von Salzburg hin. Der Wecker klingelte um 4:15 um auch noch genug Zeit zwischen dem kleinen Frühstück und dem Start zu haben. Es gab wie immer eine weiße Semmel und Marmelade.

Der Start war relativ unspektakulär und ich bin die ersten 3 KM langsam angegangen und gemeinsam mit Erwin (Laufkumpel und Trailrunning Guide) gelaufen und wir haben gemütlich geratscht.

Dann ging es auch direkt auf den längsten Anstieg zum Zwölferhorn (ca. 950 HM). Dort habe ich meine Stöcke ausgepackt und war direkt im Flow und bin schön kontinuierlich und gleichmäßig nach oben.

Oben angekommen wartet ein traumhafter Ausblick über den Wolfgangsee und die erste Verpflegungsstation.

Anschließend ein schöner Downhill nach Sankt Gilgen und zur ersten größeren Verpflegung.

Ich genoss den Downhill und war absolut im Flow. An der Verpfelgungsstation wieder aufgetankt und dann kam mein persönliches Highlight: Robert, ein guter Laufspezl und ebenfalls Trailrunning Guide, begleitete mich von Sankt Gilgen, am Wolfgangsee entlang, den knackigen Anstieg Richtung Schafberg, zurück nach Sankt Gilgen und weiter bis Fuschl am See. Diese ca. 25 KM vergingen wie im Flug und wir haben die ganze Zeit geratscht. Es war so lässig, dass Robert mich begleitet hat. Vor allem der Anstieg Richtung Schafberg hat es in sich und zieht sich brutal in die Länge. Da spürte man dann auch langsam die Hitze. Weiterhin war ich durchgehend im Flow und hab meine Herzfrequenz stabil unter 160 gehalten. Robert verabschiedete sich ein paar Meter nach der Verpflegungsstation in Fuschl und chillte den restlichen Tag am Fuschlsee. Darum hab ich ihn in diesem Moment wirklich sehr beneidet, aber ich war ja genau dort wo ich sein wollte: auf der Strecke des MozartUltra.

Ein wirklich FETTES Merci geht raus an Robert! Diese 25 KM haben mir so viel Spaß gemacht und waren so herrlich kurzweilig, dass die ersten 44 KM absolut schnell verflogen. DANKESCHÖN.

Bis dahin lief alles super und ich war voll im Modus und es fühlte sich auch super angenehm an. Aber dann: Nachdem Robert weg war lief ich die nächsten 10 KM komplett alleine und hatte ordentlich zu kämpfen. Ich hatte keine Energie (obwohl ich gerade erst an der Verpflegungsstation aufgetankt hatte), hatte viele negative Gedanken und war demotiviert.

Das hört sich jetzt vielleicht strange und für einige vermutlich auch nicht nachvollziehbar an, aber genau das reizt mich an den Ultradistanzen. Genau diese mentalen und körperlichen Downs, diese Löcher, diese dunklen Plätze und was diese mit einem machen. Dort werden Grenzen verschoben und die persönliche Entwicklung wird sowas von angekurbelt. Die damit verbunden Gedanken, Emotionen und der Umgang damit faszinieren mich und sind für mich der Reiz am Ultrarunning. #greatthingsnevercamefromcomfortzones

Nach diesen ca. 10 KM kam die nächste Verpflegungsstation. Dann hing mir auch meine Getränkemischung (Isomaltulose mit Maltodextrin und Salz) zum Hals raus und ich hab mich richtig drauf gefreut, die letzten ca. 20 KM mit Wasser und Gels durchzustarten. An dieser Verpflegungsstation ging es einigen Läufern aufgrund der Hitze schon wirklich gar nicht mehr so gut.

Bei mir ging’s dann erst richtig los - ich hatte das Tief überwunden und die letzten 20 KM war ich wieder absolut im Flow und fühlte mich pudelwohl. Klar, es war anstrengend und unfassbar heiß aber ich wusste, dass ich das Ziel in Salzburg erreichen werde - und das hat mich richtig gepushed. Und ich wusste, dass ich zu einer echt guten Zeit und somit zur PrimeTime in Salzburg ankommen werde und die Stadt voll mit Leuten ist und im Ziel meine Family wartet.

Auch der letzte kurze Anstieg auf den Kapuzinerberg in Salzburg mit 200 HM und 600 Treppenstufen konnte mir nichts mehr anhaben und meine Maschine lief und lief.

Der Zeilaunlauf mit meiner Family war dann ein absoluter Traum und hätte mir vorher jemand gesagt, dass ich mit knapp über 11 Stunden auf Platz 48 das Ziel erreiche, hätte ich vermutlich motiviert aber ungläubig abgewunken.

Mit etwas zeitlichem Abstand bin ich immer noch sehr überwältigt, aber auch überrascht, dass an diesem 18.06.2022 wirklich alles top lief für mich - ich hatte nicht einmal Krämpfe - überraschender Weise bei dieser Hitze.

Ich habe mich unfassbar schnell regeneriert und war körperlich, sowie mental schon nach ein paar Tagen wieder voller Tatendrang die nächsten Trails zu ballern. Dennoch habe ich noch etwas Ruhe gegeben - einfach um auf Nummer sicher zu gehen.

Fazit: It was just the Start! Ich hab richtig Bock auf noch längere Distanzen um meine persönlichen Grenzen weiter zu verschieben. #performbeyond

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